Bund der Niederländer e.V.

Bund der Niederländer e.V.

Heimatlandschaft Nordböhmisches Niederland

Rückblick auf 2024

Vorstellung des neuen Domizils der Öffentlichkeit

Das Gebäude ‚Am Weißeweg 15a‘ war über ein Jahr Lagerort der Bestände des Heimatmuseums Nordböhmisches Niederland. Eine Suche in Seifhennersdorf nach alternativer bezahlbarer Räumlichkeit erwies sich als ergebnislos. Im Bewusstsein um das Potential des Lagerortes entstand die Idee zur Schaffung eines Vereinsheims, in dem mehr als nur ein Museum untergebracht wäre. Die neue Bürgermeisterin Mandy Gubsch schlug vor eine ‚Kultur- und Bildungsstätte mit Museum‘ in Seifhennersdorf einzurichten.

Erstaunlicherweise führte die Bekanntgabe unser Vorhaben in den Medien zur unerwarteten Aufmerksamkeit, die während des 56. Bundestreffens erst richtig zum Ausdruck kam. Zur Besichtigung des neuen Domizils der Niederländer reiste sogar überregionale Prominenz an.

Von links nach rechts:

Jindřich Jurajda – Bürgermeister von Georgswalde, Karin Berndt – Altbürgermeisterin von Seifhennersdorf, Peter Pinkas, Thomas Konhäuser – Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen aus Berlin, Andreas Kniesel – Vorsitzender im Bund der Niederländer.

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Umzug von Böblingen nach Seifhennersdorf

Nach über sechzig Jahren heimatmusealer Aktivität in Böblingen hat die Sammlung des Bundes der Niederländer e. V. zum Jahresende 2023 ihren Standort in Böblingen im Hinterhaus des Deutschen Fleischermuseums verlassen.  Anfang 2024 wurde sie ins sächsische Seifhennersdorf umgezogen. In der Stadt an der deutsch­ tschechischen Grenze, in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Heimatgemeinden (heute Tschechien), aus denen das Museumsgut stammt, soll die Museumsarbeit mit neuen Impulsen fortgesetzt werden. Der Neuanfang in der Oberlausitz bedeutet damit auch eine Rückkehr nahe an die alte Heimat.

Der Umzug des Heimatmuseums ist die Folge des im Rahmen der Entwicklung der Böblinger    Museumskonzeption im Juli 2022 erfolgten Gemeinderatsbeschlusses einer „Verlegung der ‚Heimatstuben Nordböhmisches Niederland‘ an einen geeigneten Ort oder in ein geeignetes Format.“ Das zuständige Amt für Kultur   hatte im Laufe des Jahres 2023 in intensiver gemeinsamer Abstimmung mit dem Bund der Niederländer verschiedene Optionen sowohl in Böblingen als auch andernorts geprüft. Im September des vergangenen Jahres präsentierte der Verein der Stadt dann die Idee, die gesamte Sammlung nach Seifhennersdorf umzuziehen. Die Stadt Böblingen unterstützte das Vorhaben im Rahmen ihrer Patenschaft für das Nord­ böhmische Niederland unter anderem durch die Übernahme der Speditionskosten.

Peter Pinkas, stellvertretender Vorsitzender des Bundes der Niederländer e.V., sieht optimistisch in die Zukunft:  „Als in den letzten Dezembertagen die Heimatsammlung der Niederländer in Böblingen verpackt wurde, regnete es, als würde der Himmel weinen. Am Zielort Seifhennersdorf ist die Fracht Anfang Januar bei strahlendem Sonnenschein angekommen“, so der Museumsbetreuer für das Heimatmuseum Nord­ böhmisches Niederland. „In der Oberlausitz wollen wir ein Museum objektiver Darstellung der Heimatgeschichte und Kultur entstehen lassen. Nirgendwo anders ist das Sammelgut besser aufgehoben und kann seine Wirkung besser entfalten als in Seifhennersdorf“.

Für den geglückten Umzug und ein neues Zuhause für das Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland setzten sich   engagierte Menschen um die frühere Seifhennersdorfer Bürgermeisterin Karin Berndt ein. Sie pflegt einen engen Kontakt zum Bund der Niederländer, der seit vielen Jahren bereits seine Treffen in Seifhennersdorf abhält. Vor Ort will man besondere Aufmerksamkeit auf das tragische Kapitel Vertreibung richten und mithilfe der Zeit­ zeugenberichte, Dokumente und Gegenstände der Niederländer auch junge Menschen erreichen, damit Krieg und Vertreibung nie in Vergessenheit geraten.

Städtische Patenschaft geht neue Wege

Der Umzug des Heimatmuseums aus der Vogtsscheune am Böblinger Marktplatz bedeute keinesfalls ein Ende für die seit 1964 bestehende Patenschaft der Stadt Böblingen für das Nordböhmische Niederland, betont der Böblinger Kulturamtsleiter Sven Reisch.  „Wir haben den Umzug nach Seifhennersdorf im Sinne unserer Patenschaft für die Menschen aus den Orten des Nordböhmischen Niederlands unterstützt und werden unsere Mitgliedschaft im Bund der Niederländer auch in Zukunft weiterführen.“ Bevor die Heimatsammlung von Vereinsmitgliedern in Umzugskartons Verpackt wurde, wurde sie außerdem durch die Stadt Böblingen hochwertig 3D-gescannt und damit digital konserviert. Sie kann als Online-3D-Tour auf der Website des Bundes der Niederländer besichtigt werden.

Lange Historie

Nach Beschluss des Gemeinderats hatte die Stadt Böblingen 1964 die Patenschaft für die Heimatvertriebenen der Bezirke Warnsdorf (heute: Varnsdorf), Rumburg (Rumburk) und Schluckenau (Šluknov) übernommen. Bereits 1961 richteten Neu-Böblinger*innen aus dieser Heimatlandschaft im „Haus der Heimat“ (heute Musikschule) eine Heimatstube ein, in welcher‘ sie zur Erinnerungs­ und Traditionspflege zusammenkamen. Auf diesen ersten Standort musealer Vor- und Vereinsarbeit folgte 1963 die Gründung des Bundes der Niederländer e. V.  Mit der Einweihung der Zehntscheuer als Museum zog der Sammlungsbestand zum ersten Mal um und fand in den Räumlichkeiten des heutigen Steisslinger-Kabinetts einen neuen Platz. Aus der „Heimatstube“ wurde das „Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland“.  Anfang der 1990er-Jahre bezog die Sammlung zahlreicher Erinnerungsstücke und Memorabilien aus Nordböhmen dann freie Räume in der frisch renovierten Vogtsscheune hinter dem Vogtshaus am Marktplatz, die man sich mit dem Deutschen Fleischermuseum teilte.