Heimatlandschaft Nordböhmisches Niederland

Museumsgeschichte

In Böblingen willkommen

Das Heimatmuseum Nordböhmisches Niederland ist ein kulturelles Vermächtnis einer von ethnischer Säuberung betroffenen deutschen Bevölkerung aus dem nördlichsten Landzipfel Tschechiens. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich viele der Vertriebenen um Böblingen nieder. Die nordböhmischen Niederländer brachten auch ein Stück ihrer Geschichte und Kultur mit nach Deutschland.

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Herkunftsgebiet der Niederländer

Die nach Zusammenhalt suchenden Vertriebenen hatten im Böblinger Haus der Heimat einen gern aufgesuchten Begegnungsort. Eine Heimatstube wurde eingerichtet, in welcher bald ihre Erinnerungsstücke einen Platz fanden. Man organisierte bundesweit Treffen und gründete 1963 den Verein ‚Bund der Niederländer‘ e.V. (BdN) mit Sitz in Böblingen. Die Mitglieder sehen ihre Hauptziele in der Förderung der Heimatpflege, Heimatkunde, Ahnen- und Heimatforschung, Erhaltung des heimatlichen Brauchtums und der Mundart sowie in der Völkerverständigung.

 

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Patenschaft-Urkunde der Stadt Böblingen

 

Die Niederländer bauten liebevoll Modelle der von ihnen einst bewohnten Häuser, schrieben über das Erlebte und brachten eine eigene Zeitung heraus. 1964 übernahm die Stadt Böblingen die Patenschaft für das Nordböhmische Niederland. 1984 kamen mit Warnsdorf und Schönlinde zwei Städtepatenschaften hinzu. In dieser Zeit wurde die Heimatsammlung in die Böblinger Zehntscheuer verlegt. Hier veranstalteten die Niederländer mehrmals Ausstellungen für die Öffentlichkeit.

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Ende der 1980er Jahre erhielt die Heimatsammlung ihren Platz in den oberen Stockwerken der ehemaligen Vogtsscheune. Räumlich verbunden mit dem Deutschen Fleischermuseum ist das Heimatmuseum dem Amt für Kultur der Stadt Böblingen zugeordnet. Die Dauerausstellung füllt mehrere, thematisch ausgerichtete Räume. Der Besucher erhält hier Einblick in die Geschichte, Landschaft, wirtschaftlichen Leistungen sowie in das Kultur- und Vereinsleben. In einem Raum finden Sonderausstellungen, Vorträge und Lesungen statt. In der Archivkammer werden für Ahnen- und Heimatforscher wertvolle Dokumente, Fotografien und Bücher aufbewahrt.

Nach jahrzehntelanger Sammeltätigkeit zieht heute ein breites Spektrum an Exponaten die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich. Herauszuheben sind Erzeugnisse der heimischen Weberei und Glasveredelung, Gemälde, Objekte religiöser Volkskunst, Modelle der Umgebindehäuser sowie einige persönliche Erinnerungsstücke. Es fehlt auch nicht an Informationen zur Heimatgeschichte. Nachlässe sowie Spenden und Ankäufe bereichern die Ausstellung und den Archivbestand.

Die Aufgabe des Heimatmuseums Nordböhmisches Niederland ist, Zeugnisse aus der Vergangenheit sorgfältig aufzubewahren, um so ein Stück beachtenswerter deutscher Ostgeschichte und Kultur für die Nachwelt zu erhalten und der Öffentlichkeit näher zu bringen.