Heimatlandschaft Nordböhmisches Niederland

Sonderausstellungen

Wissenschaft und Kunst im Niederland: Gedenken an zwei fast vergessene Landsleute

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Aus aktuellem Anlass wird 2016 der Öffentlichkeit im Böblinger Heimatmuseum eine neue Sonderausstellung geboten. Vor 200 Jahren starb eine außergewöhnliche Persönlichkeit  aus Kreibitz, eine andere wurde nur wenige Tage später in Warnsdorf geboren. Die Rede ist von dem Wissenschaftler Thaddäus Haenke und dem Künstler Vincenz Pilz, die beide fernab von ihrem Zuhause große Erfolge errungen haben. Das zu ihrem Jahrestag ausgestellte Material beschreibt den  Werdegang der beiden Männer, präsentiert ihre wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeiten und zeichnet ihre Abstammung anhand einer genealogischen Forschungsarbeit nach.

 

 

 

 

 

Thaddäus Haenke wurde 1761 in Kreibitz geboren. Er wuchs in einer bürgerlichen Familie auf und studierte später in Prag und Wien. Der Botaniker nahm von 1789 bis 1793 an einer Weltexpedition des spanischen Königsreichs teil, bei der er zahlreiche Pflanzen sammelte, beschrieb und nach Europa verfrachten ließ. Während einer seiner oftmals abenteuerlichen Forschungsreisen durch Lateinamerika entdeckte er die bis heute größte bekannte Seerose: die „Victoria regia“, benannt nach der englischen Königin. Wegen seiner Forschungsarbeiten bezeichnete man ihn gerne auch als den „böhmischen Humboldt“.2016_haenke

Haenke wurde schließlich in Bolivien sesshaft, wo er sich mit seinem Fachwissen für die Verbesserung der Lebensqualität der einheimischen Bevölkerung engagierte. In den letzten Jahren seines Lebens war Thaddäus Haenke als Pharmazeut und Arzt tätig, wofür er besonders von den Indios verehrt wurde. 1816 starb der Universalgelehrte in Cochabamba, einer Stadt in den südöstlichen bolivischen Anden.

 

 

 

 

 

 

 

Nur zehn Tage nach Haenkes Tod wurde in Warnsdorf Vincenz Pilz geboren. Der aus einer armen Weberfamilie stammende ehrgeizige junge Mann machte sich mit 21 Jahren auf den Weg nach Wien, um Bildhauerei zu studieren.  An der Wiener Akademie der Bildenden Künste gelang ihm trotz seiner erst als ungenügend eingestuften Vorbildung, ein Studium aufzunehmen.  Ausgezeichnet danach mit mehreren Preisen erhielt Vincenz Pilz sogar ein kaiserliches Stipendium, mit welchem er in Rom unter namhaften Bildhauern seine Ausbildung vervollkommnen konnte.

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Pilz’s außergewöhnliche gestalterische Fähigkeiten beeindruckten sogar den Kaiser Franz Joseph I. und seine Gemahlin Elisabeth, für die er schon früh Privataufträge ausführen durfte. Dennoch blieben dem Künstler auch herbe Rückschläge nicht erspart, von denen er sich aber nie unterkriegen ließ. Der Meister arbeitete unermüdlich bis in sein hohes Alter und schuf weitaus mehr als 100 beachtenswerte Kunstwerke, die meisten im Stil des Wiener Klassizismus. Plastiken von Vincenz Pilz findet man auf  Wiens Dächern, an Fassaden, in Parks und in Museen. Aber auch in Rom, London, Speyer, Karlsbad, Nikolsburg in Mähren sowie in seiner Heimatstadt Warnsdorf hinterließ der Bildhauer Zeugnisse seiner Kunst.

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In der Geburtstadt des Bildhauers hat man sich im ‚Pilzjahr‘ viel vorgenommen. Eine Künstlerin gestaltete eine neue Büste für den örtlichen Park, am 19. Oktober fand eine Pressekonferenz statt und über das Lebenswerk des Künstlers wurde eine Ausstellung vorbereitet. Mitarbeiter des Museums Warnsdorf arbeiteten dabei mit dem Urenkel des Neffen des Bildhauers Peter Pinkas zusammen, der dafür sein Bild-Material zur Verfügung stellte. Zum 200sten Geburtstag am 14. November 2016 wurde im feierlichen Rahmen im örtlichen Theater die Pilz-Büste enthüllt und die Ausstellung in der örtlichen Bücherei eröffnet. 2017 gibt es die Ausstellung auch in weiteren Städten zu sehen.