Heimatlandschaft Nordböhmisches Niederland

Sonderausstellungen

„Wiener Michelangelo aus Böhmen“ jetzt in Böblingen

Seit dem 10. Januar können Besucher des Heimatmuseums Nordböhmisches Niederland die bislang umfangreichste Ausstellung besichtigen, die es über den Bildhauer Vincenz Pilz (1816-1896) jemals gegeben hat. Den Kernteilteil bilden 24 zweisprachige Schautafeln einer Wanderausstellung des Museums Varnsdorf (Tschechien), welche im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projekts ins Leben gerufen wurde. Zusammen mit Informationsmaterial des Bundes der Niederländer füllen die Exponate zwei der sechs Räume des Heimatmuseums.

Vincenz Pilz reiht man zu den Bildhauern, die sich durch die plastische Ausschmückung der Wiener Ringstraße in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts auszeichneten. Seine Holz-, Marmor- und Bronzeskulpturen oft mit interessanten Begleitgeschichten verbunden sind Spuren eines aufregendes Künstlerlebens. Der in Warnsdorf geborene Bildhauer einst vom Kaiserhaus hochgeschätzt war jedoch in der Kunstszene nicht immer unumstritten. Einmal gab es sogar einen riesigen Skandal, bei welchem Kaiser Franz Joseph persönlich auf Druck der Wiener eine für Pilz schmerzliche Entscheidung getroffen hat.

Anlässlich der im Münchener Sudetendeutschen Haus ausgestellten Bilder markanter Skulpturen auf Dächern und Fassaden Wiens, hat man Pilz als „Wiener Michelangelo aus Böhmen“ bezeichnet. Ein Vergleich, der mit erheblichen Erwartungen an den kongenialen Bildhauer verbunden ist. An der Präsentation in Böblingen beeindruckt vor allem sein umfangreiches Schaffenspotential ohne dass dabei ein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben wird. Aus den Reihen der jüngeren Kunstkritiker charakterisiert Professor der Wiener Akademie der Bildenden Künste Walter Krause den Bildhauer  mit den Worten: „Pilz ist der große Realist, obwohl er im Detail nicht minder stilisiert. Die für das Parlament und für Vincenz Pilz selbst so signifikanten Quadrigenbekrönungen fanden, scheint es, in Wien keine ikonographische oder stilistische Nachfolge.“